Dipl.-Biol. Stefanie Hahn, press officer, Julius Kühn-Institut (JKI)
Zusammenfassung
Am 6. März 2026 erhielt Prof. Dr. Ulrich Fischer vom DLR Rheinpfalz bei einem feierlichen Kolloquium am Julius Kühn-Institut den Peter-Morio-Preis 2026. Der Preis wird seit 1993 für herausragende Leistungen in der Rebenzüchtung und Züchtungsforschung verliehen und wird nicht leichtfertig vergeben. Fischer hat ihn sich hart erarbeitet – indem er jahrelang eine Branche überzeugte, die ihrem Bauchgefühl mehr vertraut als ihrem Labor, dass die pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, die PIWI-Sorten, tatsächlich in ein seriöses Weinglas gehören. Laudator Prof. Dr. Oliver Trapp, Leiter des Instituts für Rebenzüchtung am JKI, brachte es auf den Punkt: Fischer brach das Eis bei skeptischen Produzenten nicht durch Autorität, sondern durch Kommunikation – unterhaltsam, fachlich präzise und unmöglich zu ignorieren.
Die Forschung hinter dieser Kommunikation ist substanziell. Fischers Team und das JKI verbrachten neun Jahre mit dem Projekt SelWineQ und suchten im Genom der Rebe nach molekularen Markern, die Sensorik- und Aromaeigenschaften vorhersagen – eine Arbeit, die den Züchtungszyklus für neue resistente Sorten um Jahre verkürzen könnte. Derzeit betreut er eine Dissertation über PIWI-Weinstile aus der Sammlung des Geilweilerhofs und hält so die Pipeline vom Rebstock über das Labor bis zum Glas offen. Er leitete zudem den dualen Studiengang Weinbau und Oenologie am Weincampus Neustadt – den ersten seiner Art in Deutschland. Das Magazin Vinum listete ihn sowohl 2021 als auch 2022 unter den 25 wichtigsten Weinpersönlichkeiten Deutschlands. Der Preis ist nach Peter Morio (1887–1960) benannt, dem Züchter von Bacchus, Morio-Muskat, Optima und Domino – Sorten, die den deutschen Weinbau zu ihrer Zeit prägten, so wie Fischer ihn in unserer Zeit zu prägen versucht.
Unser Kommentar
Die Art und Weise, wie diese Pressemitteilung geschrieben ist, ist auf subtile Weise aufschlussreich. Fischer hat eindeutig etwas Reales geleistet – neun Jahre Genomforschung, eine laufende Doktoranden-Pipeline, Erzeuger, die aufgrund seiner Arbeit ihre Meinung änderten. Das verdient Anerkennung. Aber der Text verlässt nie den Rahmen der Zeremonie, um zu fragen, warum die PIWI-Akzeptanz in Deutschland so lückenhaft bleibt, wenn die wissenschaftlichen Beweise so überzeugend sind. Die Kluft zwischen Beweis und Praxis ist hier die eigentliche Geschichte, und die JKI-Pressestelle ist direkt daran vorbeigegangen. Man kann einer Pressemitteilung nicht vorwerfen, eine Pressemitteilung zu sein. Aber man kann bemerken, was sie nicht zu sagen pflegt. Fischer brach das Eis bei den Winzern. Niemand in diesem Text brach das Eis gegenüber der Wahrheit.
Über die Autor:in
Dipl.-Biol. Stefanie Hahn ist die Pressereferentin am Julius Kühn-Institut. Es gibt kein externes journalistisches Profil, das man bewerten könnte. Was der Text selbst offenbart, ist Kompetenz und institutionelle Loyalität in gleichem Maße – das Stück ist gut aufgebaut, herzlich, wo es herzlich sein sollte, und vorsichtig schweigsam, wo ehrliche Berichterstattung Reibung erzeugen könnte. Das ist es, wofür Pressereferenten eingestellt werden. Das ist keine Kritik an Hahn persönlich; es ist einfach eine Beschreibung der Rolle.
Über den Verlag
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