Der Thurgauer Winzer, der alles auf resistente Trauben setzte – und gewann

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Die Zukunft gehört robusten Sorten
Resistente Reben überdauern das Spritzgerät
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«Die Zukunft gehört robusten Sorten»: Wie ein Thurgauer Winzer der Krise trotzt
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Veröffentlichungsdatum
Verlag
Tages-Anzeiger
Autor:in
Rafael Rohner

Zusammenfassung

Die Schweizer Weinwirtschaft steckt derzeit in einem perfekten Sturm. Zwischen sinkendem Konsum und einem brutalen Kreislauf aus Frost, Hagel und Pilzkrankheiten erreichen viele Winzer einen Belastungspunkt. Sogar renommierte Namen wie die Kartause Ittingen haben sich kürzlich dazu entschlossen, ihre Reben komplett herauszureißen. Doch inmitten dieser Krise wirkt Roland Lenz vom Iselisberg weniger wie ein Außenseiter, sondern eher wie ein Mann, der die Zukunft kommen sah.

Lenz und seine Frau Karin setzen seit dreißig Jahren auf „Piwi“-Sorten – Pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Dabei handelt es sich um pilzresistente Kreuzungen, die es ihnen ermöglichen, jene chemischen Spritzgänge zu umgehen, die Lenz als jungem Mann chronische Kopfschmerzen bereiteten. Der Aha-Moment kam in der katastrophalen Saison 1999; während der Rest der traditionellen Reben des Hofes unter Regen und Fäulnis zusammenbrach, gedieh der resistente Hektar.

Heute ist das Weingut Lenz ein üppiges 21 Hektar großes Ökosystem, in dem Granatäpfel, Haselnüsse und Schafe neben den Reben koexistieren. Die Ergebnisse sprechen für sich: Die Bodengesundheit hat sich verbessert, die Erträge sind stabil und die Kritiker werden aufmerksam. Im Jahr 2025 vergab Vinum Höchstnoten für seine Flaschen, und Branchenriesen wie Rutishauser Divino bringen Piwi-Weine endlich in den kommerziellen Mainstream. Während Traditionalisten wie Master of Wine Philipp Schwander immer noch argumentieren, dass Piwis nicht mit der Finesse eines klassischen Pinot Noir mithalten können, ist Lenz an dieser Debatte nicht interessiert. Er ist zu beschäftigt damit, erfolgreich zu sein.

Unser Kommentar

Dies ist ein solider Bericht aus der Region, aber es fühlt sich an, als würde er genau dort aufhören, wo es interessant wird. Während der Autor die Leidenschaft von Lenz perfekt einfängt, wird die tatsächliche Opposition gegen diese Bewegung kaum beleuchtet. Wir erhalten einen einzigen Satz von einem Skeptiker und sehr wenige unabhängige Daten, die die Behauptung stützen, dass Biodiversität tatsächlich die Erträge steigert. Der Artikel fragt, warum nicht mehr Landwirte den Umstieg gewagt haben, und lässt die Branche dann aus der Verantwortung, indem er die Zeit vorschiebt. Es ist ein großartiges Porträt, verpasst aber die Chance, eine wirklich investigative Untersuchung darüber zu sein, warum das Wein-Establishment so langsam in seiner Entwicklung ist.

Über die Autor:in

Rafael Rohner ist seit 2010 eine feste Größe im Schweizer Regionaljournalismus und wechselte vom St. Galler Tagblatt zum Winterthurer Landboten. Er ist nicht nur Autor, sondern hat auch einen Abschluss in Umweltwissenschaften, was den oberflächlichen Umgang mit den harten agronomischen Daten in diesem Artikel etwas frustrierend macht. Er versteht die Wissenschaft offensichtlich, aber sein professioneller Stil bleibt vorsichtig und beobachtend, wahrscheinlich ein Ergebnis seiner bewussten Entscheidung, neutral zu bleiben und sich aus dem Streit der öffentlichen Meinung herauszuhalten.

Über den Verlag

Der Tages-Anzeiger bleibt das Schwergewicht der Schweizer Medienlandschaft, übersteht aber derzeit selbst einen Sturm. Ende 2024 kündigte die Muttergesellschaft Tamedia eine massive Umstrukturierung an, strich 290 Stellen und gliederte Lokalzeitungen wie den Landboten in ihr redaktionelles Hauptskelett ein. Dieser Druck, mit weniger mehr zu produzieren, könnte erklären, warum wir eine Verschiebung hin zu geschliffenen Persönlichkeitsprofilen anstelle der tiefgreifenden investigativen Stücke sehen, die die Branche so dringend benötigt.