Zusammenfassung
Der Artikel ist eine kompakte Weinempfehlung zum St. Patrick's Day, die sich um drei Weine dreht, die eher durch ihren irischen Bezug als durch einen gemeinsamen Stil oder eine gemeinsame Geografie verbunden sind. Das Kernstück ist der Lusca Vineyard Rondo 2021 aus Lusk, Co. Dublin — gekeltert von David Llewellyn, der über 20 Jahre Erfahrung verfügt und Weinbau als Nebengeschäft zum Apfelanbau betreibt. Sein Rondo, eine pilzwiderstandsfähige PIWI-Hybride, die im Freiland angebaut wird, gewann Gold bei den PIWI International Wine Awards 2024 und kostet im Einzelhandel 60 €. Der Artikel verteidigt den Preis eher mit dem Hinweis auf Seltenheit und nationale Bedeutung als mit dem vergleichenden Marktwert. Ein kurzer Infokasten ordnet Rondo korrekt neben Solaris, Souvignier Gris und Cabernet Cortis als PIWI-Sorten ein — die einzige technisch fundierte Passage des Beitrags.
Der zweite Wein, Château Puynard The Steps 2020 aus den Côtes de Blaye, ist eine Merlot-Cabernet-Cuvée des irischen Ehepaars Andrew Eakin und Naomi Murtagh. Seine irischen Referenzen beschränken sich auf die Nationalität der Besitzer. Der dritte, Domaine la Sarabande Misterioso 2020 aus Faugères AOP, ist eine biologische Grenache-Syrah-Cuvée der Irin Isla Gordon und ihres australischen Ehemanns, im Angebot für 12,71 €. Der Beitrag fungiert als kuratierte Einkaufsliste in erzählerischem Gewand, wobei die Verkostungsnotizen eher wie Werbetexte als wie kritische Bewertungen wirken.
Unser Kommentar
Nimmt man die Kleeblatt-Deko weg, bleibt ein Einkaufsführer übrig, der Nationalität mit einem Qualitätsargument verwechselt. Der 60 € teure Lusca Rondo wird als durch seine irische Herkunft und seine Goldmedaille selbstverständlich gerechtfertigt dargestellt — doch Gold bei einem Nischen-PIWI-Wettbewerb beweist die Eignung innerhalb des Genres, nicht Weltklasse-Niveau. Der Artikel hinterfragt nie, ob die langsame Reifung im Norden Dublins tatsächlich einen gut gemachten englischen Rondo zum halben Preis übertrifft. Die Befürwortung von Dermot Sugrue wird wie ein päpstlicher Segen eingesetzt und bleibt völlig unwidersprochen. Die anderen beiden Weine sind nur aufgrund der Biografie der Besitzer irisch. Ein Pass ist kein Terroir.
Über die Autor:in
Aoife Carrigy ist die Wein- und Getränkekolumnistin für das Weekend Magazine des Irish Independent. Sie gewann Irish Food Writing Awards für Wein (2021), Getränke (2022), Essen (2023), The Irish Times sowie einen weiteren Food Writing Award im Jahr 2024 — eine beachtliche Bilanz. Sie ist tief im Ökosystem der irischen Gastronomie und Lebensmittelindustrie verwurzelt, was genau den Interessenkonflikt darstellt, den dieser wohlwollende, unkritische Beitrag stillschweigend illustriert.
Über den Verlag
Der Irish Independent ist Irlands auflagenstärkste Tageszeitung und wird von Medienbeobachtern als Mitte-Rechts und weitgehend faktentreu eingestuft. Einnahmen aus Werbung und Abonnements mildern erwartungsgemäß die Lifestyle-Berichterstattung ab. Weinkolumnen fungieren hier als Leserservice und werbernaher Inhalt. Eine kritische Auseinandersetzung mit einer 60 € teuren einheimischen Flasche ist schlichtweg nicht das, wofür das Weekend Magazine konzipiert ist.